24 Sep 2026

Bundesgerichtshof verhandelt über Rückerstattung von Online-Casino-Verlusten in wegweisendem Verfahren

BGH-Gebäude in Karlsruhe mit Fokus auf Gerichtsverhandlung

Der Hintergrund des Falls I ZR 216/25

Am 17. September 2026 verhandelte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über einen zentralen Fall zur Erstattung von Verlusten aus Online-Casino-Spielen auf der Plattform Tipico Games, wobei der klagende Spieler rund 10.092 Euro für Einsätze zwischen Dezember 2020 und September 2022 zurückfordert; niedrigere Instanzen hatten bereits zugunsten des Spielers entschieden und die Verträge wegen Verstößen gegen das damalige deutsche Totalverbot für Online-Glücksspiel für nichtig erklärt, da Tipico lediglich über eine maltesische Lizenz verfügte.

Das Verfahren I ZR 216/25 gilt als Leitverfahren, das Auswirkungen auf Tausende anhängiger Klagen haben könnte, während der BGH die Verhandlungen zuvor ausgesetzt hatte, um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom April 2026 abzuwarten, das nationale Verbote und Rückforderungsansprüche von Spielern unterstützte.

Verlauf der Verhandlung und vorläufige Einschätzung

Während der mündlichen Verhandlung zeigte sich der BGH geneigt, die Rechte der Spieler auf Rückerstattung in vergleichbaren Fällen zu bestätigen, und zwar auf Basis der Feststellungen aus den Vorinstanzen sowie der europäischen Rechtsprechung, die das deutsche Verbot von Online-Casinos als mit EU-Recht vereinbar ansieht; ein Verkündungstermin für das Urteil wurde jedoch noch nicht festgelegt.

Beobachter notierten, dass die Richter Fragen zu den Vertragsnichtigkeitsgründen und den daraus resultierenden Bereicherungsansprüchen stellten, was auf eine mögliche Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung hindeutet, während Experten die Bedeutung dieses Verfahrens für die Durchsetzung von Spielerschutzregelungen hervorheben.

Rechtliche Grundlagen und europäische Dimension

Die Entscheidung baut auf dem EuGH-Urteil C-440/23 auf, das nationale Verbote von Online-Glücksspielen bestätigte und damit die Position deutscher Gerichte stärkte, wonach Verträge mit nicht lizenzierten Anbietern unwirksam sind und Spieler ihre Einsätze zurückfordern können; in Deutschland führte das frühere Totalverbot dazu, dass Plattformen wie Tipico Games ohne deutsche Erlaubnis operierten und daher die abgeschlossenen Spielverträge als nichtig galten.

Rechtsexperten erklären, dass die Rückforderung auf bereicherungsrechtlichen Grundlagen beruht, da die Anbieter ohne gültige Lizenz keine wirksamen Verträge eingehen konnten, und das BGH-Verfahren nun klären soll, ob diese Grundsätze auch in Fällen mit ausländischen Lizenzen uneingeschränkt Anwendung finden.

Richterbank im Gerichtssaal während einer BGH-Verhandlung

Auswirkungen auf weitere Verfahren

Das Ergebnis des Verfahrens I ZR 216/25 könnte Tausende anhängiger Klagen beeinflussen, in denen Spieler ähnliche Rückerstattungen von Verlusten aus Online-Casinos zwischen 2020 und 2022 geltend machen, und zwar weil das BGH-Urteil als Präzedenzfall dienen würde, der die rechtliche Bewertung von Verträgen mit maltesisch lizenzierten Anbietern vereinheitlicht.

Gerichte in ganz Deutschland beobachten den Ausgang genau, da bereits zahlreiche erstinstanzliche Urteile zugunsten von Spielern ergangen sind und eine höchstrichterliche Bestätigung diese Linie festigen würde, während Anbieter auf mögliche Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle vorbereitet sind.

Fazit

Die Verhandlung am Bundesgerichtshof markiert einen entscheidenden Schritt in der Klärung von Rückerstattungsansprüchen für Online-Casino-Verluste unter dem früheren deutschen Verbot, und das Verfahren I ZR 216/25 wird voraussichtlich die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden, sobald das Urteil verkündet wird.